“No Gold Please” Young European Talents Ausstellung

„No Gold Please!“ – Neue Werkstoffe begeistern.


Sie haben entworfen, bearbeitet, gefeilt, geschimpft und sich gefreut – die 20 jungen Designer, die in der vergangenen Woche das Motto des Workshop „No Gold Please!“ in der Pforzheimer Fakultät für Gestaltung umsetzten. Im Young European Talents Workshop arbeiteten Schmuckdesigner des Royal College of Art, London, und der Fakultät für Gestaltung der Hochschule Pforzheim mit Werkstoffen, die sonst in der Medizin Anwendung finden. Die entstandenen Schmuckstücke aus Hochleistungskeramik und die Kreationen aus Gedächtnismetall sind im Schmuckmuseum Pforzheim zu sehen. Die Ausstellung wurde am Freitag, 16. November 2012, von den Organisatoren Professor Andreas Gut, Hochschule Pforzheim, und Almut Benkert, Leiterin Kreativwirtschaft des Wirtschaft und Stadtmarketing Pforzheim (WSP), eröffnet.

„Ich bedanke mich für den Mut, das Thema Schmuck in Pforzheim neu zu denken“, stellte Andreas Gut in seiner Eröffnungsrede fest. Traditionen aufzubrechen gerade in einer Stadt, die oft als Synonym für Schmuck gesehen werde, setze eine gewisse Risikobereitschaft voraus. „Doch es lohnt sich, wie die Ausstellung jetzt zeigt!“. Die Begeisterung für das Projekt war bei allen Beteiligten spürbar. Das Konzept, mit Werkstoffen aus der Medizintechnik zu arbeiten, habe ungewöhnliche Allianzen geschnürt, so Almut Benkert.

Verspielte Ketten, Broschen in Form eines Frauenkopfs oder mit modernem Stil arbeitende Anstecknadeln – die Ergebnisse verblüffen. „Der kreative Prozess war erstaunlich und nicht immer einfach“, kommentierte Professor Andi Gut. Der Leiter des Pforzheimer Studiengangs Schmuck und Objekte der Alltagskultur betreute zusammen mit Professor Hans Stofer vom Royal College of Art die zwanzig internationalen Studierenden. „Zum Teil zeigte sich das Material sehr sperrig“, so Gut. So arbeiteten die Nachwuchsdesigner eine Nacht durch, um den Werkstoff Nitinol – ein Gedächtnismetall – ihren Wünschen anzupassen. „Der Draht musste meterweise unter Hitze und Strom gewickelt werden, um die gewünschten Effekte zu erzielen“, so eine erschöpfte aber zufriedene Studentin.

„Die Mitarbeit in den Unternehmen war fantastisch“, erklärte Almut Benkert. Die Firmen G. Rau GmbH & Co. KG, Wieland Dental + Technik GmbH & Co. KG sowie Admedes Schüssler stellten den Studierenden nicht nur die Materialien zur Verfügung. „Genauso wichtig wie die Werkstoffe war der personelle Einsatz“, so Benkert. Jana Hänel, Forschung & Entwicklung / Vollkeramik bei Wieland Dental, und Hans Nusskern, Entwicklung/Werkstoffe bei G. Rau, erklärten den Studierenden die Werkstoffe, wiesen sie in die Labore ein und halfen wo immer sie konnten. Für den Umgang mit den neuen Werkstoffen war dieses Fachwissen und die Kooperation mit dem Schmucktechnologischen Institut sowie dem Institut für Werkstoffkunde und Werkstofftechnologie der Hochschule unentbehrlich.

„Die Zusammenarbeit, die sich entwickelte, das Bemühen, etwas Neues zu schaffen, machen diesen Workshop zu etwas Besonderem“, freute sich die Leiterin der Kreativwirtschaft. Der Young European Talents Workshop ist eine Kooperation des WSP und der Hochschule. In der vergangenen Woche wuchs die Gruppe junger Designer aus Pforzheim und London zusammen, sie wollten die „Werkstoffe für sich sprechen lassen“ und eroberten das Material nach für nach für sich. “Es war eine sehr intensive Woche, ein Belastungstest in der wir die Grenzen von Mensch, Material und Maschinen strapaziert und hier und da auch etwas erweitert haben“, zog der Studiengangsleiter Bilanz. „Aber es hat sich gelohnt. Wir haben neue Erkenntnisse gewonnen, über die Materialien aber auch über das Zusammenarbeiten.“ Zusammen mit den Ansprechpartner in den Firmen hätten die Studierenden, die Mitarbeiter und die Organisatoren echten Forschergeist bewiesen und auch etwas riskiert. Doch die Mühen der vergangenen Tage und Wochen haben sich gelohnt: „Das Material hat großes Potenzial und der Einsatz für die Schmuckindustrie muss weiter erforscht werden“, so die einhellige Meinung aller Beteiligten.

 

 

 

 

 

 

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