Chaos Communication Congress Hamburg

2. Januar 2013

IMD Student auf dem Chaos Communication Congress Hamburg

Once the rockets are up, who cares were they come down. That’s not my department. Unter diesem zynischen Motto startete dieses Jahr das 29. Treffen des Chaos ComputerClubs im Hamburger Congress Centrum. Was man sich darunter jedoch genau vorzustellen hat, war mir am Anfang noch eher unklar. Nur eins war sicher, als Gestalter muss man sich zumindest bei den eher technischen Vorträgen warm anziehen.

Mein erster Weg nach dem Einchecken führte mich in die Hardware-Hacking Area, wo Tische voller Lötkolben, Kabeln, Bauteilen und Laptops die Szenerie bildeten. Besonders interessant war eine Gruppe von Leuten, die LED Matrizen löteten und verkauften. Allerdings fielen die Antworten auf die Fragen bezüglich der Herstellung und Bespielung der Boards eher einsilbig, um nicht zu sagen binär aus. Etwas frustriert ging es weiter zu den Vorträgen. Die Bandbreite dessen, was den Besuchern an Themen geboten wurde, war beeindruckend. Von allgemein-gesellschaftlichen Themen wie „Die Lage der Information“ mit Bezug auf das Informationsfreiheitsgesetz und www.fragdenstaat.de über „New Human Interfaces inMusic“ bis hin zu „Hacking Cisco Phones“ als Beispiel für extrem IT-lastige Vorträge war alles gegeben.

Besonders spannend war hierbei die Präsentation über „New Human Interfaces inMusic“. Zu Beginn stellte sich die Frage, was da jetzt eigentlich kommt. Musik ist ja erst mal gut, aber was sollen das für Interfaces sein?Ausgangspunkt für das ganze Thema war ein Musiker, der keine passende Band gefunden hat. Also hat er sich einen Interface Controller gebaut, mit dem er Synti-Sounds und Drumsets erstellen und modifizieren kann. Und zwar während er dazu Gitarre spielt und singt. Auch die Gitarre ist ein Eigenbau mit integrierten Effekten, die man selbst in einem ausgereiften Effektboard kaum erwarten würde. Ob bei so viel Maschinerie noch einigermaßen hörbare Musik zustande kommt? Eindeutig: ja! Mit Jack Johnson hat das zwar nicht mehr viel zu tun, aber es klingt gut. Einen Haken hat die Sache jedoch, der Mann ist kaum älter als ich und hat das alles selbst gebaut. Kein Wunder, dass nach dem stürmischen Applaus am Ende die ersten zaghaften Fragen mit „Wie lange“ und „Wie viel“ begannen.

Ein großes Highlight auf dem Congress war neben den Vorträgen ein Arduino Workshop, der sich besonders an ein eher unerfahrenes Publikum richtete. Nach einem einstündigen Vortrag über tote Physiker (Volta, Ohm und Ampère) und die Grundlegender Elektronik ging es ans Eingemachte: Der Arduino musste noch gelötet werden. Einpaar Stunden später war es dann vollbracht, die Grundlagen waren geschaffen, der Mikroprozessor arbeitete. (Manch einer ließ sich zu pathetischen Ausrufen wie „Mein Gott, es lebt“ hinreißen). Wem die Fernsteuerung, mit der man so ziemlich jeden Fernseher ausschalten kann optisch einfach nicht genug war, konnte sich jetzt an der Hardware-Theke ein „Lots of LEDs – Shield“ (kurz LoL – Shield) kaufen, um endlich coole Lichteffekte zu programmieren. Übung im Löten bekam man dabei auch, denn die 128LEDs kamen alle einzeln mit Platine.Beschreiben könnte man diese zwei Tage als ein Abtauchen zwischen den Jahren in eine Welt bestehend aus Elektronik, Hacking und den Problemen des digitalen Zeitalters,wobei man teilweise völlig das Gespür für die Zeit verlor. Und wenn man sich nach einem Vortrag über das Knacken von RSA Codes eingestehen muss, dass man den Prozess der Faktorisierung nicht wirklich verstanden hat, so what. That’s not mydepartment!

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