Designing Death?

11. Januar 2015

Unsere MACD-Absolventin Kristina Kulzer wurde für ihre Arbeit über das digitale Erbe mit dem MACD First ausgezeichnet – jetzt ist ein Beitrag darüber in der aktuellen Novum zu lesen.

Gestalterische Entwürfe für ein digitales Gedenken – die Abschlussarbeit von Kristina Kulzer polarisiert, stellt in Frage und gibt Lösungsansätze. Im Zeitalter des Web 2.0 fragt die Absolventin der Hochschule Pforzheim nach dem digitalen Nachlass. Was passiert mit den Hinterlassenschaften in den sozialen Netzwerken, wie gehen Hinterbliebene und Freunde mit Texten und Bildern im Netz um? Für ihre Arbeit erhielt die Designerin den „MACD-First“ für richtungsweisende Arbeiten aus dem Studiengang.

Gedenken im Web 2.0 – die Masterarbeit von Kristina Kulzer (2.v.r.) ist richtungsweisend und aktuell. Sie wurde mit dem „MACD First“ ausgezeichnet. Verbunden mit dem Preisgeld ist die Übergabe eines Kunstwerkes von Professor Matthias Kohlmann (r.), der zusammen mit Professor Thomas Gerlach (l.) und Prof. Dr. Thomas Hensel (2.v.l.) den Preis übergab.

„Innovativ, kreativ in der Gestaltung sowie konzeptionell durchdacht aber vor allem aktuell, zeitkritisch und ungewöhnlich“, charakterisierte Professor Thomas Gerlach die hervorragende Masterarbeit. „Kristina Kulzer greift auf hohem Niveau ein gesellschaftlich höchst aktuelles Thema auf, dessen Bedeutung weiter zunehmen wird.“ Kommunikation und Austausch von Informationen im 21. Jahrhundert ist ohne digitale Verbindungen kaum noch denkbar. Facebook, Google Plus, Xing, Twitter und Co. – die Netzwerke sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Doch was passiert mit dem Account und den Inhalten, wenn der Nutzer stirbt?

Soziale Medien sind Austauschmedien, die Inhalte werden vielfach zusammen erstellt und so liegt das Urheberrecht nicht nur bei einer Person. „Gibt es eine digitale Nachlassverwaltung? Ist man digital unsterblich?“, waren Fragen, denen Kristina Kulzer in ihrer Abschlussarbeit nachging. Die Daten im weltweiten Netz bleiben bestehen auch wenn die eigentlichen Accounts gelöscht werden. Parallel dazu sind manche Inhalte nur digital vorhanden, da der Austausch über das Netz die herkömmliche Kommunikation ersetzt sowie die sozialen Verbindungen virtuell erweitert.

Die Absolventin des Pforzheimer Masterstudiengangs hat verschiedene Vorschläge für das „Verwalten“ der digitalen Hinterlassenschaften angeboten. Neben dem eigenen Entschluss des Nutzers, bestimmte Daten für die Nachwelt zu erhalten, steht für sie der Umgang der Freunde/ Follower mit den Inhalten der Accounts einer verstorbenen Person im Vordergrund. Nur wenige Nutzer der sozialen Netzwerke werden vorab ihr digitales Erbe regeln, in den weitaus meisten Fällen sollte es Auswahlmöglichkeiten für Hinterbliebene geben, so die Designerin. Diese Selektion müsste von den Netzwerkanbietern – also beispielsweise Google oder Facebook – unterstützt werden. Vom Löschen über Verbergen, Auswählen, Vergessen, Erinnern bis zum Kreieren eines gemeinsamen Gedenkens reichen die gestalteten Konzepte von Kristina Kulzer. Dabei räumt sie einzelnen Freunden individuelle Rechte bei der Entscheidung ein, welche Inhalte aufgehoben oder gezeigt werden. „Von den Netzwerken erfordert dies, dass es Freunde mit unterschiedlichen Status gibt. Bisher ist dies nicht der Fall.“

Digitale Unsterblichkeit wirkt auf die derzeitigen Nutzer nicht abschreckend – im Gegenteil. „Ist doch toll“, freuen sich Jugendliche bei der Recherche der Designerin zu diesem Thema. Eine andere Frage sei aber, wie Tod und Sterben in den Netzwerkmedien kommuniziert werden. “Besonders jüngere Nutzer teilen ihren Verlust und ihre Trauer in gewohnter Manier online mit – doch hier sagt niemand ‚Gefällt mir‘, denn den Tod kann man nicht ‚liken‘.“Die menschliche Anteilnahme wird durch die Technik erschwert, „trotzdem können digitale Hinterlassenschaften bei der Trauer helfen, sie sind Chance und Risiko zugleich“, ist Kristina Kulzer überzeugt. Grundsätzlich sieht die Tübingerin bei diesem Thema auch die Unternehmen in der Pflicht.

 

 

 

 

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