Die ersten AD-Absolventinnen!

11. Januar 2015

Julia Döring, Alissa Sturm, Nadine Eismann und Mehri Majidi sind die ersten Absolventinnen im bundesweit einzigartigen Studiengang Accessoire Design. Ihre Abschluss-Kollektionen sind inspiriert durch die eigene Biographie, die Faszination Bauhaus, brachliegende Gebäude und mexikanisches Wrestling.

Krieg, Flucht und die Hoffnung auf ein neues Leben sind Themen, die die gebürtige Iranerin Mehri Majidi in ihrer Kollektion „HOFFNUNGSTRÄGER“ umsetzt. Sie entwickelte ein Taschenset, das sich je nach Bedarf zu einem Overall und Fluchtanzug kombinieren lässt. Aus den einzelnen Overall-Schnitteilen lassen sich durch Trennen und wieder Zusammensetzen diverse Taschen bilden. Mehri Majidi kam als Jugendliche nach Deutschland. „Bei meiner Biografie ist Mobilität ein durchgängiges Thema“, so die 26-Jährige.

„Das maskierte Wunder“ oder „La Maravilla Enmascarada“ – so der spanische Titel – steht bei der Taschenkollektion von Nadine Eismann Pate. Die Modelle sind eine Reminiszenz an das mexikanische Wrestling „Lucha Libre“. Einem traditionellen Kampfsport, der seine Blütezeit von 1930 bis in die 70er Jahre erlebte. Ihm begegnete die 28-Jährige während eines Auslandsaufenthalts in Mexiko. „Die Bilder aus diesem Sport lassen mich nicht mehr los“, erklärte Nadine Eismann. Die Kämpfer trugen kunstvolle Masken, die sie – wie der berühmte El Santo – niemals ablegten. Die Masken stilisierten die Sportler zu Heiligenfiguren. Die Studentin nahm diese Maskenform in Flechtwerken in ihren handgearbeiteten Taschen auf.

Die Vorgaben für eine Abschlusskollektion an der Hochschule Pforzheim sind klar definiert. Zwischen sieben und zwölf Einzelteile müssen die Absolventen kreieren. Dabei steht ihnen die gesamte Produktpalette von Taschen über Schuhe, Gürtel, Schals, Tücher bis hin zu Brillen zur Verfügung. „Wir sind einfach alles: Designer von Mode, Schmuck und Lifestyleartikeln, unsere Ausbildung war unheimlich vielfältig“, bilanzierte daher Nadine Eismann.

Simple und doch monumentale Formen wie Dreieck, Kreis oder Quadrat bestimmen die Abschlusskollektion von Julia Döring. „the simple expression of complex thougts“ ist dem Stil des Bauhauses entlehnt. Vor dem Entwerfen ihrer Taschen, Schuhe und Schals recherchierte Julia Döring in den Archiven von Weimar, Dessau und Berlin. Dass Bauhauslegenden wie Marcel Breuer und Mies van der Rohe regional produzierten, spricht die 24-jährige Nürnbergerin auch heute noch an. „Die Art und Weise der Produktion ist mir wichtig, wir haben im Studium gelernt, hochwertig und nachhaltig zu arbeiten.“

Alissa Sturm ließ das Material für ihre Schuhe und Taschen dagegen künstlich altern. Für ihre Kollektion „Decay“ – Englisch für Verfall – arbeitete sie Eisenpulver in das Leder ein und brachte es mit Hilfe einer Tinktur zum Rosten. „Mich hat die brachliegende Heilanstalt von Beelitz bei Berlin inspiriert. Die verblasste Schönheit strahlt einen ganz eigenen Reiz aus“, stellte die Heilbronnerin fest.

Ideen, Kreativität und handwerkliches Geschick bewiesen alle Studentinnen in ihren Abschlussarbeiten. Im bundesweit einzigen Studiengang Accessoire Design wird neben der interdisziplinären Ausrichtung ein deutlicher Schwerpunkt auf das freie und künstlerische Arbeiten gelegt. „Nur so können die Studierenden eine eigene Designsprache entwickeln“, begründet Studiengangsleiter Professor Johann Stockhammer die Ausrichtung. Durch die Zusammenarbeit mit namhaften Unternehmen wie beispielsweise mit Porsche Design oder Roeckl bekommen die Studierenden schnell Rückmeldung, wie ihre Kreationen auf dem hart umkämpften Modemarkt ankommen. „Unsere Absolventen sind für das Berufsleben gewappnet.“

 

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