Mode global vernetzt

24. September 2015

„Die europäischen Modedesigner lassen sich von der asiatischen Kultur inspirieren“, weiß Johann Stockhammer. Unser Leiter der Studiengänge Mode und Accessoire Design knüpfte daher in den vergangenen Semestern enge Kontakte nach China und in den asiatischen Raum. Wir bieten Studienfahrten in das Reich der Mitte, akademischen Austausch mit asiatischen Hochschulen und arbeiten seit 2015 eng mit der Nagoya University of Arts and Sciences und der Shih Chien University Taipei zusammen.

„Ich habe bereits in den frühen 80er Jahren in Hongkong gelebt und gearbeitet. Schon damals waren Japan, später auch Länder wie Indonesien, Korea, China und Taiwan wichtige Märkte für europäische Mode.“ Für den Pforzheimer Modeprofessor ist es wichtig, den Studierenden umfassende Ausbildungsmöglichkeiten zu geben. Neben dem handwerklichen Können gehört dazu auch der Einblick in fremde Kulturen und Techniken, der Kontakt zu neuen Märkten und Zielgruppen. Der seit 2008 an der Pforzheimer Fakultät für Gestaltung tätige Stockhammer baut daher seit Jahren die internationalen Kontakte des Studiengangs aus. Er fordert und fördert den Blick über die eigenen Grenzen. So setzte sich der Studiengang im vergangenen Semester mit der Mode, der Historie und dem Design aus China auseinander. Grundlage war eine vierzehntägige Studienreise nach China und Taiwan.

China polarisiert! Eine enorme technische Entwicklung steht großer Armut gegenüber. Mit 1,4 Milliarden Einwohnern ist es das bevölkerungsstärkste Land der Erde, das auf eine große kulturelle Vergangenheit zurückblickt. Kunst und Design werden immer stärker, Künstler wie Ai Wei Wei oder Regisseure wie Wong Kar-Wei oder Ang Lee haben Weltruhm und Taipei wurde zum World Design Capital 2016 ausgerufen. Für die Pforzheimer Studierenden eine Welt der Gegensätze. Sie besuchten wichtige Sehenswürdigkeiten und begutachteten das Modebusiness – darunter beispielsweise den Showroom Wu Yong der Konzept Designerin „Ma Ke“, den Multibrand Store „Brandnewchina“ oder die Kostümausstellung des „Beijing Institute of Fashion Technology“.

Ihre Eindrücke haben die Studierenden während des Semesters in Kollektionen umgesetzt, die mit der Tradition spielen oder auch brisante gesellschaftliche Themen aufgreifen. Johanna Hößle ist für ihre leichte und luftige Kollektion ‚KITE’ zum Beispiel weit in die Geschichte Chinas eingetaucht: Der Drache ist nicht nur ein Glückssymbol, Drachen steigen zu lassen, hat in China seit dem 5. Jahrhundert Tradition. „Die Form der feinen Baumbusstäbchen, die dem Fesseldrachen Form und Halt geben, habe ich gestalterisch aufgenommen“, so Johanna Hößle, die durch die Studienfahrt erstmals in den asiatischen Raum reisen konnte.

Jennifer Haas hingegen hat mit ihrer schwarz-weiß gehaltenen Kollektion die Ein-Kind-Politik Chinas thematisiert. Wenn weibliche Föten abgetrieben werden, weil Männer als wertvollere Arbeitskräfte gelten, herrscht ein Ungleichgewicht zwischen den Geschlechtern. Der daraus entstehende Frauenmangel führt dazu, dass Männer unverheiratet bleiben. Die Ansprüche der wenigen Frauen an ihre zukünftigen Partner wachsen: groß, reich und gutaussehend soll der Mann sein. Auf diesen Überlegungen baut die Marke ‚CLUB PARA DIES’ von Jennifer Haas auf. „Meine Kollektion ist ein Hingucker! Männer, die zwar der Oberschicht angehören, aber klein sind, machen so auf sich aufmerksam“, erklärt die Designerin, die bereits einen La Biosthétique Förderpreis erhalten hat.

Professor Johann Stockhammer nutzt für seine Lehre langjährige Kontakte, die er zur asiatischen Industrie und zu den dortigen Hochschulen aufgebaut hat. „Es ist wichtig für Nachwuchsdesigner, Inspirationsgeber und Zielgruppen kennen zu lernen“, so Johann Stockhammer. Immer wieder zieht es den engagierten Designer in den asiatischen Raum. Neben Studienfahrten nach Japan oder China nutzte der gebürtige Bayer auch sein Forschungssemester 2014 für ausgedehnte Reisen zu den indigenen Völkern in Taiwan und im Himalaya.

„Den eigenen Designgeist zu schärfen und dabei zu öffnen; lokale Feinheiten, unterschiedlichen Mentalitäten und Traditionen aufzunehmen, aber dabei die Marktanforderungen nicht außer Acht zu lassen“, so beschreibt Stockhammer die ideale Designerausbildung. Daher ist es für ihn wichtig, die Studierenden in neue Welten eintauchen zu lassen und das Kooperationsnetz der Hochschule Pforzheim weiter auszubauen. Die zahlreichen Auszeichnungen für die Studierenden und die guten Berufsperspektiven der Absolventen bestätigen unser Ausbildungskonzept.

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